jürgen noltensmeier: "und dann bin ich hinten rum, aber da war auch zu..."
Jürgen Noltensmeier zeigt ab 21.03. unter dem Titel "Und dann bin ich hinten rum, aber da war auch zu..." in der Galerie elm75 eine Auswahl aktueller Arbeiten. Der Wahl-Leipziger bringt malerisch das Abgründige der Alltagsarchitektur auf den Punkt. Er verfolgt damit seinen roten Faden seit Abschluss des Studiums in Glasgow.
Regelmäßig ist die Architektur der Nachkriegszeit und der Gegenwart Gegenstand der Malerei Jürgen Noltensmeiers (*1967). Mit seinen Bildern dokumentiert er nicht die Epoche machenden Bauwerke, sondern den Durchschnitt. Die Arbeiten entstehen nach Fotos und eigener Anschauung. Die Gebäude sind real und gewinnen deshalb in ihrer Wiedergabe etwas Persönliches. Sich die "Persönlichkeiten" dieser Gebäude vorzustellen, führt jedoch rasch zu Beklemmung. Das ist kein Kompliment für die Architekten, welche die porträtierten Bauten zu verantworten haben.
Die vor allem in der westfälischen Heimat des Künstlers gefundenen und im Bild festgehaltenen Eigenheime zerstören den Traum von den eigenen vier Wänden. Gesucht wird mit dem Eigenen ja nicht nur Eigentum, sondern auch Eigenheit. Doch zeigt sich im Vergleich, dass die wenigen, immer ähnlichen Gestaltungselemente von Wand und Garten zur Verwechselbarkeit und Langeweile führen. Es drängen sich finstere Phantasien auf, wie ein Mob von Eigenheimbewohnern zur Treibjagd auf diejenigen blasen, die in ihrer Nachbarschaft tatsächlich vollständig neue Bauformen wagen - vorverurteilt als Außenseiter, Unangepasste, Nestbeschmutzer, Chaoten, Anarchisten.
Stets gleich sind auch die Nutzbauten für Supermärkte. Gestalterischer Ehrgeiz ist verloren, wo alles dem Niedrigpreisdiktat unterworfen wird. Dieses greift in der Handelskette dann eben nicht nur auf den Umgang mit Lieferanten und Personal durch, sondern auch auf die eigene Erscheinung. Es wird absurd, sich hier die Befriedigung weiterer als animalischer Grundbedürfnisse vorzustellen. Noltensmeier widersteht der Versuchung, bei seinen Darstellungen karitative Milde walten zu lassen.
| zurück |Vernissage am 21.03.2009 | 18-22 h
Ausstellung vom 26.03.2009 bis 18.04.2009
