mari aulinen: "der regen ist vorbei"
Die finnisch-kreuzberger Künstlerin Mari Aulinen zeigt ab dem 10. Januar in der ersten Ausstellung des Jahres der Galerie elm75 unter dem zusammenfassenden Titel "Der Regen ist vorbei" eine Auswahl aktueller Arbeiten. Aulinen reflektiert in ihren Bildern ihre subjektive Berlin-Wahrnehmung seit Ankunft in der Stadt vor zwei Jahren.
Mari Aulinen ist aus Finnland nach Berlin gekommen und hat sich vorerst in Kreuzberg niedergelassen. Der Abschied von der alten Heimat und der Umzug in ein neues Land bilden einen Lebenseinschnitt, der verarbeitet werden muss. Aulinen erreicht das mit Malerei.
In unterschiedlichen Formaten malt sie in Öl auf Leinwand. Während des Berliner Winters hier angekommen, nimmt sie Berlin zunächst als regnerisch wahr. So dominieren in ihrer malerischen Reflexion das Fließen und der Übergang. Der Betrachter erlebt die Unschärfe, die das müde Auge nach längerer Zeit im Regenschleier erleidet. Vergeblich ist zunächst die Suche nach einem Haltepunkt.
Aus dem persönlichen Erleben entstanden, erlauben die Arbeiten einen ungewöhnlich tiefen, geradezu intimen Einblick in die Gefühlslage ihrer Autorin während der persönlichen Umbruchsituation. Im Vergleich erlauben sie auch, den Prozess der Findung von eigenem Boden zu verfolgen, das Finden von Bezügen in einer neuen Heimat. Schrittweise stellt die Stadt sich Aulinen anders dar. Die allerneuesten Arbeiten begründen denn auch den Titel der Ausstellung - denn der im Inneren empfundene, eigene Grauschleier Berlins ist überwunden.
Zur Vernissage hat die Künstlerin außer ihren Bildern zwei Gedichte im Original und mit deutscher Übersetzung zugesagt.
Es Regnet
Berlin regnet in mich hinein.
Es regnet in mir.
Berlin macht mich nass.
Berlin steigt hoch um mich.
Berlin schließt mich ein.
Berlin stillt mich.
Ich werde weich.
Um in Berlin nass zu werden.
Berlin macht mich rundum nass.
Ich bin.
Bin.
Beinahe in Berlin.
Trotz der Widerstände.
Berlin regnet in mich hinein.
Mein Regen hört nicht auf.
Er wird nicht müde weiterzuregnen.
Stattdessen regnet es endlos über mich.
Damit ich wäre.
Alleine möchte ich jeden Tag.
Ohne einen neuen Anfang.
Endlos.
Regnen.
Mari Aulinen
